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Gegen jede Art von Fanatismus kämpfe

Jean-Marie de Bourqueney

Übersetzung Jean Gaspar

Wenn man heute von Fanatismus redet, klingt das offensichtlich ganz besonders. Unsere Gesellschaft erregt sich über diese Frage und, so hoffe ich, beschäftigt sich damit nach den tragischen Ereignissen von Januar, Februar, November. Paris, Kopenhagen. Man muss aber gleich hinzu fügen,, dass wir manchmal ein kurzes Gedächtnis haben: Juli 2011, das war gestern … tötet ein Mann, Anders Breivik, in Norwegen 77 Menschen und verletzt weitere 151. Warum tut er das? In welchen Namen begeht er das? Im Namen Gottes, ganz bestimmt, und im Namen einer sogenannten christlichen Zivilisation…. Der Fanatismus besteht darin, dass man Gott zu einem Werkzeug macht, „“seinen Namen missbraucht“ 2 Mose 20,um den anderen zu beherrschen weil er uns lästig ist. Es ist löblich zu sagen „Gott ist gross“. Alle unsere Religionen sagen es. Calvin, grosser Reformator, und Ignaz von Loyola, deren Wege sich um 1520 auf den Bänken des collège Montaigu in Paris , gekreuzt hatten, machten sogar daraus ihren Wahlspruch. Bei Calvin: „Soli Dei Gloria“ (Gott allein die Ehre). Bei Ignaz von Loyola „Ad majorem Dei gloriam“ (zur höchsten Ehre Gottes).   Doch den Namen Gottes anzurufen um zu töten, heisst Gott beleidigen, bedeutet, die ersten zwei Gebote zu leugnen , mit denen alle Gläubigen einverstanden sein müssten.

 

Drei Arten von Fanatismus.

 

Wir müssen den Fanatismus bekämpfen, mit allen Mitteln. Meiner Ansicht nach, soll man beim Fanatismus unterscheiden. Zuerst gibt es diesen aktiven Fanatismus der vor Gewalttaten , vor Terroranschlägen nicht zurückscheut und der die gefährlichste Art von Fanatismus ist. Wahrscheinlich gäbe es viel zu sagen über die psychologischen und sozialen Mechanismen die jemand verleiten auf diese dunkle Seite des Fanatismus zu kippen. Es gäbe viel zu sagen über das schwache Persönlichkeitsbewusstsein derjenigen – ob männlich oder weiblich – die radikale Thesen und Taten der Terrororganisationen übernehmen. Die Terroristen von heute sind zuerst Fälle, die einzeln zu behandeln sind.

Leider muss auch gesagt werden, dass dieser Übergang zur Tat seine Nahrung in einem zweiten Fanatismus , in Theorie und Aktivismus, findet. Diesen Fanatismus gab es schon immer, aber heute verbreitet er sich explosionsartig über Internet. Das Internet hat vielleicht im allgemeinen die Freiheit des Wortes erlaubt, es hat aber auch erlaubt, dass das mörderichstse, das blödeste Wort sich verbreitet… Der Islam ist übrigens ein Opfer davon: 95% der Muslime widersetzen sich dieser radikalen Tendenz, die jedoch 80% der Internetnachrichten ausmachen. Die antisemitischen Netzwerke (manchmal unter dem Vorwand von „Humor“ blühen stärker als je zuvor. Dieser theoretische Fanatismus baut auf eine oppositionnelle, abstossende Identität. Das kann vielleicht gegen die Modernität sein. Man redet dann von „Traditionnalismus“:“ es war, gestern oder sogar vorgestern, soviel besser. Diese Opposition kann sich auch gegen andere Überzeugungen oder andere Personen wenden. Dann spricht man von „Fundamentalismus“: „ich besitze die volle Wahrheit“. Wenn wir Protestanten , zum Beispiel, unsere Identität auf eine Opposition zum Katholizismus reduzieren, riskieren auch wir diesen Fanatismus. Manche katholische Fanatiker, glücklicherweise in der Minderheit, zahlen uns das übrigens zurück.

 

Dieser theoretische Fanatismus, der sich manchmal sehr logisch zeigt, prägt oft unser Unterbewusstsein und erschafft in uns eine dritte dritte Art von Fanatismus:: den „passiven“ Fanatismus. Ein Mann, empört wie wir Alle über die Schändung eines jüdischn Friedhofs, drückte sich unlängst unglücklicherweise – wahrscheinlich ohne sich dessen bewusst zu sein, also auf passive Art, so aus : (ich zitiere) „so etwas tut man nicht, ob das nun ein jüdischer, ein maghrebinischer oder ein französischer Friedhof ist“. Man hört aus dieser Äusserung die Verworrenheit, die Verweigerung der französichen Staatsangehörigheit für unser jüdischen und muslimischen Mitbürger. Wir tragen also, unbewusst, in uns den Samen von Fanatismus. Darüber müssen wir uns klar sein, um diesen Fanatismus besser zu bekämpfen.

 

Fanatismus bezieht sich auf Götzendienst.

 

All unsere Arten von Fanatismus funktionieren wie ein Götzendienst. Theologisches Denken ist ein Denken im Dienst Gottes, aber wenn dieses Denken sakral wird, wenn daraus Dogmen entstehen die nicht in Frage gestellt werden können, macht man aus diesem Denken einen Götzen. Am Ende steht man im Dienst eines Dogmas der zu einer „mörderischen Identität“ führen kann und nicht mehr ein Denkem im Dienst Gottes ist.. All unsere Dogmen, in den 2000 Jahren Christentum , müssten unter diesem kritischen Aspekt ,auf den Prüfstand kommen .

 

Einfach vier Beispiele unter soviel anderen: Wovon redet man , wenn man die „Macht“, sogar die „Allmacht“ Gottes beschwört? Von der Macht Gottes oder von der Macht unserer Reden um den anderen besser zu überzeugen oder zu beherrschen.?

 

Wenn man die Kirche als „Volk“ Gottes, oder sogar als „das“ Volk Gottes beschwörtf, lässt man dann den Anderen, die nicht Christen sind , das Recht , auch Mitgleder des Gottesvolkes zu sein? Man hat lange Zeit sogar eine Theologie des „Ablösens“ entwickelt. Diese Theologie behauptete die Kirche hätte das Volk Israel im Plan Gottes abgelöst. Das hat einen passiven, christlichen Antijudaismus genährt. Der hat einen   christlichen, theoretischen Antisemitismus genährt, der, leider, oft so akttiv war.

 

Wenn man behauptet, dass die Bibel „das Wort Gottes“ ist, als wäre Gott der Verfasser der Bibel, dann würde es ja genügen wenn wir dieses Wort, ohne zu differenzieren, buchstäblich befolgen würden … Den biblischen Verfassern sogar ihre Existenz abzusprechen, führt zum Risiko, dass wir meinen , allein die Bewahrer eines Wortes zu sein, ohne eine mögliche Auslegung. Einen Text buchstäblich anzunehmen ist der Anfang von Fanatismus.

 

Wenn man behauptet, es gäbe ein „Paradis“ (ein einziger Hinweis in der Bibel, als Antwort an einen der „Schächer“ am Kreuz), das natürlich den „Reinen“, in Hinsicht auf Glauben und Moral, reserviert ist, ermutigt man dann nicht die Menschen von einer strahlende Zukunft zu träumen, auch wenn man dabei die reale Gegenwart vergisst? Wenn mein Leben nicht interessant ist, warum nicht gleich von einem anderen Leben träumen, auch wenn dann gemordet wird … Das einzige Gegengift ist die Behauptung , dass unsere reale Existenz wichtig ist, und, andererseits, zu behaupten, dass es eine Erlösung für Alle gibt, Zeichen der bedingungslosen Gnade.

 

So stehen wir vor einer unermesslichen Baustelle, eine unermessliche Infragestellung unserer eigenen Stereotypen. Sicher sind wir nicht verantwortlich für alle Abweichungen. Aber, durch unsere Stereotypen, durch unsere Redewendungen, scheinbar ohne Folgen, nähren wir das Risiko eines Radikalismus der zu verschieden Arten von Fanatismus führt. Den Fanatismus aller Art bekämpfen ist also zuerst eine Arbeit am eigenen Ich. . So heisst es denn in einem Vers des Johannesevangliums (14,6), dass Jesus sagt: „Ich bin der Weg, die Wahrheit, das Leben“. Die „Wahrheit“ ist also nicht in einem Denken eingeschlossen , aber sie ist wie eingefasst in einen Weg, das heisst in ein Wandern, ein Suchen, in eine Wandlungsfähigkeit. Lassen wir Gott nicht erstarren mit unseren Dogmen.

 

„Du sollst den Namen des Herrn nicht missbrauchen.“ (2. Mose,

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À propos Gilles

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a été pasteur à Amsterdam et en Région parisienne. Il s’est toujours intéressé à la présence de l’Évangile aux marges de l’Église. Il anime depuis 17 ans le site Internet Protestants dans la ville.

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