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Die tschechische Republik und Jan Amos Comenius

Pierre-Olivier Léchot
Vor vier Jahrhunderten, genau am 23. Mai 1618, brach der Dreisigjährige Krieg aus. Pierre-Olivier Léchot zeigt uns die Reaktion des grossen tchechischen Theologen Comenius auf ein Ereignis, das man als ersten Weltkrieg betrachten kann.

Übersetzung Jean Gaspar

Wenn man von der Reformation im XVI. Jahrhundert redet, denkt man oft an die Ereignisse in Deutschland, in Frankreich, in der Schweiz oder in England. Zu oft vergisst man, das die Reformation auch ein prägendes Ereignis in den Ländern des ehemaligen Ostens war. In Böhmen-Mähren, der gegenwärtigen Tschechischen Republik, hat sich die Refomation nach dem Erscheinen Luthers, schnell entwickelt in Zusammenhang mit der Anwesenheit von Jüngern des Jan Hus, der 1415 beim Konzil in Konstanz verbrannt wurde, weil er sich dem Papst widersetzte. Die man Hussiten nannte, vereinigen sich rasch mit dem Lager der Reformation und lösten so religiöse Unruhen in ihrem Land aus. Am Anfang des XVII. Jahrhunderts hatten sie die Mehrheit beim Adel und mehrere von ihnen stehen in Briefverbindung mit namhaften Vertretern ihrer Zeit, wie Karl von Zerotin, Freund von Théodore de Bèze, dem Nachfolger von Calvin in Genf. Die zuküntigen tschechischen Pfarrer sind oft, während ihrer Studienzeit, in den evangelischen Akademien Deutschlands und der Schweiz, immatrikuliert. Das ist auch der Fall des jungen Pfarrers Jan Amos Comenius (Komensky). 1592 geboren, ist Comenius geprägt von den Gräueln die sein Land heimsuchen: noch nicht erwachsen, sieht er wie seine Familie dezimiert wird bei denKämpfen zwischen den ungarischen Haiduken und den Habsburgern, katholisch und deutschsprachig, Herren von Böhmen-Mähren. Als er in sein Land zurückkommt um Pfarrer zu werden, entbrennt der Dreissigjährige Krieg (1618-1648) der seine Heimat verwüstet und die deutschsprachigen Katholiken zu Gegnern der tschechischen Protestanten macht. Comenius verliert dabei alles was er hatte: seine Gemeinde, sein Haus, seine Frau und seine Kinder. Er beginnt ein Leben von Irrfahrten das , 1670, in den Niederlanden zu Ende geht. Beeindruckend ist, dass dieses Leben voller Leiden nicht Anlass ist, von Vergeltung zu reden. Er, der vor dem Dreissigjährigen Krieg stark anti-katholische und „nationalistische“ Standpunkte vertreten hatte, vertritt jetzt einen anderen Standpunkt . Für ihn ist das gegenwärtige Chaos , das Ergebnis des inneren Verfall des Menschen. Also muss der Mensch,um sein Wesen zu retten vor den kriegerischen Auseinandersetzungen, eine tiefgehende Reformation mitmachen (emendatio auf Latein). Für Comenius, kein Zweifel: das Paradies befindet sich im Herz des Menschen. Die Menschheit vor der Unordnung retten ist also möglich, so fern das verlorene Paradies wieder hergestellt wird, dieses Paradies, im tiefsten Innern des Menschen verscharrt. Das Paradies wieder herstellen verpflichtet zur Herausforderung der Sünde. . Comenius will nicht das Alte wierder herstellen oder Zuflucht suchen in einer beruhigenden Zukunft (das Leben nach dem Tod), sondern er geht neue Wege und will die Welt verändern. Das verlorene Paradies wird zum Muster um die Wirklichkeit zu ändern. Wenn diese Ansicht auch klar politisch ist, so führt sie Comenius doch nicht dazu, eine poliische Reformation zu verlangen oder sich für eine Revolution einzusetzen. Was er will, ist die Änderung der Menschen durch eine andere Art der Erziehung. Im Gegensatz zur beherrschenden calvinistischer Tradition, ist der Mensch für Comenius nicht in seinem tiefsten Inneren durch die Sünde Adams geprägt: bei seiner Geburt ist er eine „tabula rasa“ auf der sich Gutes und Böses ausbreiten kann. Man muss die Änderung ermessen in dem Masse, dass Comenius hier eine optimistische Ansicht vertritt: der Mensch, auch der sündige, hat die Möglicheit sich zu ändern. Allerdings neigt der sündige Mensch dazu, sich von Gott abzuwenden. Das muss verhindert werden, nicht nur dank der göttlichen Gnade, sondern auch der menschlichen Möglichkiten die Gott der Menschheit gelassen hat – daher die zentrale Wichtigkeit der Erziehung. Diese ist der Vorraum (vestibulum) der göttlichen Wohnung (das Paradies) in die er die Menschheit führen möchte. Nun schienen ihm die damaligen Erziehungsmethoden in direktem Widerspruch zu seinem Vorhaben zu stehen. Viel zu sehr von Gewalt geprägt (körperliche Züchtigung war die Regel), ausgerichtet auf ein theoretisches Wissen getrennt von der Erfahrung, führen sie die Kinder zum scheitern. Auf diese Weise wird Comenius ein Meister der induktiven Lehre: wenn man den Kindern eine neue Sprache lehren will, müssen die Kinder bei jedem neuen Wort, zum Beispiel, sehen, anfassen, riechen können und so Wort, Gedanke, Sache in Beziehung bringen. Auch muss man nicht nur die Erziehung der jungen Männer bevorzugen, sondern auch die weibliche Erziehung und das bis zur Universität. Für Comenius gibt es keinen Zweifel : die Frauen haben eine lebhafte Intelligenz, eine Begabung zum Wissen, gleich denen, wenn nicht mehr, von uns Männern . Wenn auch Comenius zu seiner Lebzeit den erhofften Erfolg nicht gekannt hat, o wird er doch später anerkannt werden : seine Thesen über die menschliche Natur, zutiefts modern, sind den Entwicklungen der Theologie, der Philosophie, der modernen Pädagogik voraus. Im XX. Jahrhundert werden sich viele auf ihn beziehen: Jean Piaget, in der Psychologie der Kindheit, Marguerite Yourcenar in der Literatur, und der tschechische Philosoph und Gegner des Kommunismus, Jan Patocka.

À propos Gilles

a été pasteur à Amsterdam et en Région parisienne. Il s’est toujours intéressé à la présence de l’Évangile aux marges de l’Église. Il anime depuis 17 ans le site Internet Protestants dans la ville.

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